Wie gelingt es einer Stadtverwaltung, den Kontakt zu den Bürger:innen zu verbessern? Der Herner Stadtteil Wanne wollte neue Wege jenseits klassischer Beteiligungsformate gehen. Mit der Initiative „Wanne besser machen“ schuf die Herner Verwaltung zusammen mit der Körber-Stiftung  und der AWO Ruhr-Mitte den Raum dafür. Der Prozess im Jahr 2024 widmete sich Fragen wie: Was fehlt in Wanne? Wo besteht Handlungsbedarf? Und wie lassen sich gemeinsam Lösungen entwickeln – mit Bürger:innen, Verwaltung und lokalen Akteur:innen? 

In zahlreichen von Verwaltung und Zivilgesellschaft initiierten Tischgesprächen tauschten sich die Beteiligten aus und planten konkrete Verbesserungen für den Stadtteil. Ein gemeinschaftliches Weihnachtssingen oder ein offener Treffpunkt für Jugendliche mit der Möglichkeit zum gemeinsamen Gaming waren nur einige der zahlreichen Ideen. Mehr als ein Jahr später stellt sich die Frage: Was ist aus diesen Impulsen geworden? Welche Spuren hat der Beteiligungsprozess im Stadtteil hinterlassen? 

Vom Beteiligungsprojekt zum festen Ort 

Ein sichtbares Ergebnis von „Wanne besser machen“ liegt direkt an der Wanner Hauptstraße: die GG Open Lobby. Was in einem Tischgespräch als Idee für einen niedrigschwelligen Treffpunkt für Jugendliche entstand, hat sich innerhalb eines Jahres zu einem festen Bestandteil des Stadtteils entwickelt. 

Ursprünglich aus einem Handballverein heraus angestoßen, steht heute ein eigenständiger Verein hinter dem Projekt – mit Unterstützung aus Zivilgesellschaft und Verwaltung. Dieser Schritt markiert den wichtigen Übergang von einer Projektidee hin zu einer tragfähigen Struktur mit eigener Verantwortung. Die Körber-Stiftung förderte die Umsetzung der Projektidee mit 5.000 Euro. 

Die GG Open Lobby versteht sich als „Dritter Ort“ – ein Raum jenseits von Schule, Familie oder klassischem Vereinsleben. Mehrmals pro Woche steht die Tür offen. Eine Anmeldung ist nicht nötig, Konsumzwang gibt es nicht. Jugendliche kommen vorbei, setzen sich zusammen, reden oder spielen gemeinsam Videospiele. 

Mitgründer und Geschftsführer der GG Open Lobby Dennis Kazakis (31) erzählt, dass es die Idee für einen solchen Ort schon länger gegeben habe. „Die Idee gab es schon länger – aber erst durch ‚Wanne besser machen‘ kam der entscheidende Impuls, sie gemeinsam mit der Stadt umzusetzen. Im engen Austausch wurde der Bedarf konkret sichtbar, und aus diesem Dialog heraus entstand die Chance, einen Leerstand neu zu beleben. Mit Unterstützung der Stadt und viel ehrenamtlichem Engagement konnten wir so einen nachhaltigen Ort für E-Sport, Gaming und Medienpädagogik schaffen.“ 

Gaming als Zugang – nicht als Selbstzweck 

Die GG Open Lobby ist bewusst mehr als ein reiner Gaming-Raum. Zwar bildet das gemeinsame Spielen den zentralen Anziehungspunkt, doch dahinter steht ein pädagogisches Konzept. Gaming dient als niedrigschwelliger Einstieg, um junge Menschen zu erreichen und miteinander ins Gespräch zu bringen. 

Ein Schwerpunkt des Angebots liegt auf Digital Literacy. Kinder und Jugendliche sollen lernen, digitale Spiele nicht nur zu konsumieren, sondern sie zu verstehen: Welche sozialen Dynamiken entstehen online? Wie funktionieren Spielmechaniken? Welche Chancen, aber auch Risiken bieten digitale Welten? Ergänzend bietet der Verein Fortbildungen für Lehrkräfte zum sinnvollen Einsatz von Videospielen im Bildungsbereich an. 

Damit greift die GG Open Lobby Themen auf, die für viele junge Menschen selbstverständlich sind, aber im schulischen Alltag oft zu kurz kommen. In einem Stadtteil wie Wanne, in dem es für Jugendliche nur wenige eigene Räume gibt, ist so ein Angebot, das Freizeit, Bildung und soziale Begegnung verbindet, besonders wertvoll.

Unterstützung – und offene Perspektiven 

Dass sich die GG Open Lobby innerhalb kurzer Zeit etablieren konnte, verdankt sie auch der Unterstützung durch die Stadt Herne. Die aktuelle Förderung ist auf zwei Jahre angelegt, auch die Nutzung der Räume in der Wanner Hauptstraße ist zeitlich befristet. Der Vermieter hat bereits Offenheit für eine längerfristige Lösung signalisiert, und auch seitens der Stadtverwaltung gibt es Bestrebungen, eine Fortführung des Projekts zu ermöglichen. 

Martina Liehr, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Herne, betont, dass Beteiligungsprozesse nicht mit dem Ende eines gemeinsamen Projektes abgeschlossen seien: 

„Wir begleiten Projekte weiter – vermitteln zwischen Vermietern und Initiativen, erschließen Fördermöglichkeiten und unterstützen bei Anträgen. Gleichzeitig binden wir die Akteure in unsere Netzwerke ein, stärken ihre Sichtbarkeit und nutzen die Räume aktiv, um Projekte langfristig im Stadtteil zu verankern.“ 

Ob und wie es über 2026 hinaus weitergeht, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Klar ist jedoch: Bleibt die GG Open Lobby bestehen, gewinnt die Wanner Innenstadt dauerhaft einen lebendigen Ort für junge Menschen – entstanden aus einem Beteiligungsprozess heraus und getragen von lokalem Engagement. 

Weitere bleibende Spuren im Stadtteil 

Neben der GG Open Lobby haben sich in Wanne weitere Aktivitäten etabliert, die auf „Wanne besser machen“ zurückgehen oder daran anknüpfen. Die AWO etwa führt weiterhin regelmäßig die sogenannten „Tischgespräche“ mit Jugendlichen durch. In diesen Gesprächsrunden reden die Teilnehmenden über ihre Bedürfnisse und Probleme im Stadtteil und Ideen für Verbesserungen. 

Diese Form des kontinuierlichen Austauschs ist weniger sichtbar als ein neuer Begegnungsort im öffentlichen Raum, aber genauso wichtig. Sie hält den Dialog offen und zeigt jungen Menschen, dass ihre Perspektiven ernst genommen werden. 

Ein besseres Wanne 

Ein Jahr nach dem Beteiligungsprozess zeigt sich: „Wanne besser machen“ war keine kurzfristige Kampagne, sondern hat nachhaltige Impulse gesetzt.  

Entscheidend für den Erfolg von Beteiligung ist nicht allein die Anzahl der umgesetzten Projekte. Wichtig ist, Beteiligung als fortlaufenden Prozess zu verstehen – als Einladung, den Stadtteil gemeinsam weiterzuentwickeln, auch über das Ende eines Förderprogramms hinaus. 

Die GG Open Lobby steht dabei exemplarisch für dieses Potenzial: Aus einer Idee wurde ein Ort, aus einem Projekt ein Verein, aus einem Impuls ein – hoffentlich – fester Bestandteil des Stadtteils. Wanne hat sich dadurch nicht grundlegend verändert, aber es ist ein Stück vielfältiger, offener und lernfähiger geworden. 

Ein Artikel von Hannes Hasenpatt, Programmleiter Demokratie, Körber-Stiftung